"Mutterklötzchen" und andere Schätzchen heiß begehrt

Die Emscher-Erzähler: Klüngelkerl Olschewski, Gehilfe Marco.


Huckarde. (jb) Mit alten Lohnlisten, Grubenlampen und "Mutterklötzchen" schwelgten über 1000 Besucher beim 2. Montantrödelmarkt der Kokerei Hansa am Himmelfahrstag in Erinnerungen aus der Bergbau-Ära.

"Auf Trödelmärkten gibt es immer nur den einen oder anderen Stand mit Montanwaren. Ich habe mich dann mal erkundigt - im Ruhrgebiet gibt es keine Märkte mit speziell diesem Angebot", berichtete Organisator und Initiator Gerd Hoffmann von seiner entdeckten Marktlücke. Und davon waren nicht nur Dortmunder begeistert - auch Besucher aus Waltrop, Herten, Moers und dem Siegerland machten sich auf den Weg zur Kokerei Hansa.

Immerhin luden 30 Stände mit Waren aus dem Bergbau und der Stahlindustrie bei strahlendem Sonnenschein zum Industriedenkmal. Von traditionellen Messingtellern über die Schutzpatronin Barbara bis hin zu Bildern von Industriedenkmälern reichte das Angebot zum Stöbern und Staunen.

So ließen sicher auch die gut gepflegten und polierten Geleuchte, die liebevoll auf einem schwarzen Samttuch platziert waren, so manches Sammlerherz höher schlagen. "Ich habe bestimmt 300 bis 400 Grubenlampen zu Hause. Ich habe nur die doppelten Lampen aussortiert, die ich abgeben könnte", erzählte Anbieter Karl Heupel.

Viel Publikum vom Fach

Doch selbst die würde er am liebsten behalten. "Aber man will ja auch mal etwas Neues bekommen. Mit so einem Stand kann man gut Kontakte knüpfen", meinte der Sammler. Denn der Verkauf stehe beim Montantrödel längst nicht im Vordergrund. "Hier ist einfach viel Fachpublikum, viele Bergmänner, mit denen man sich austauschen kann", schwärmte Heupel.

Und auch den zahlreichen Besuchern gefiel es, in den guten alten Zeiten zu schwelgen. "Oh, ein Mutterklötzchen", staunte Besucher Hans Fidyka und zeigte auf klein gehacktes Holz, das zu einem Bündel zusammengebunden war. "Die wurden zum Anzünden von unter Tage mitgenommen - natürlich nur das beste Stück aus dem Stempel", weiß er. Schließlich habe sein Vater die immer von der Zeche Mannsfeld mit nach Hause gebracht. "Damit das aber keiner sah, wurden die Klötzchen in Handtücher eingewickelt. Doch natürlich wusste jeder, was da drin war", lachte Barbara Lange, die eben diese Pottlappen an ihrem kleinen Stand anbot.

Kleine Schmuckstücke zur Erinnerung an die Bergbauzeit gab´s bei Helmut Gehling. Selbst 41 Jahre unter Tage gewesen, baut er nun Andenken aus Kohle - wie einen kleinen Stollen, an dem gerade ein Bergmann mit der Hacke Kohle abbaut. "Wenn man so lange täglich mit Kohle zu tun hatte, hängt man einfach daran", berichtete der einstige Kumpel. An die Ära der Kokerei Hansa wurde mit stündlichen Führungen über die Anlage erinnert.

Außerdem sorgte der "Emscher-Erzähler" für Unterhaltung. Als Klüngelkerl Olschewski erzählte Thomas Kemper zusammen mit Sabine Paas als Gehilfe Marco auf humorvolle Weise von der Geschichte und Entwicklung der Emscher.

Geschichten von der Emscher

Die "Emschervertellekes" ziehen seit Anfang Mai mit ihrer zweiten Sommertour durch die Emscher-Region. Speziell für die jungen Anwohner plaudert der "Emscher-Erzähler" seit November letzten Jahres außerdem in Schulen der Regionen Geschichten und Erlebnisse von und mit der Emscher aus.

21.05.2004   Westfälische Rundschau  Dortmund