Tagesbruch in Gosenbach   1.03.2005 Siegener Zeitung


Gosenbacher Tagesbruch wird mit Beton verfüllt

Schacht der ehemaligen Grube Kammer war gefallen

Die Kamerabefahrung des Tagesbruchs in Gosenbach am Freisberger Weg oberhalb der Kirche brachte gestern das Bergamt Recklinghausen in der Beurteilung der Schadenslage ein großes Stück weiter. Am 16. Februar war ein Sohn des Grundstücksbesitzer trotz des gefrorenen Erdreichs mit einem Bein im Garten versackt (die Siegener Zeitung berichtete exklusiv). Wie Bergoberinspektor Ingo Milas vom Bergamt ausführte, handelt es sich bei dem Tagesbruch um einen Schacht aus der Zeit des Altbergbaus.

Deutlich habe die Kamera gezeigt, dass der Schacht und die Stollen mit EISEN und Schlägel, also per Hand, vorgetrieben worden waren. Gerd Helsper, profunder Kenner nicht nur der Gosenbacher Bergbauszene, geht davon aus, dass es sich um einen Schacht der ehemaligen Grube Kammer handelt, über den oberflächennahe Eisen- und Kupfererze vermutlich mit Handhaspeln abgebaut wurden. Der Schacht mündet in etwa acht Metern Tiefe in einen Quergang und geht dann versetzt weiter in die Tiefe.

Vermutlich im 18. Jahrhundert wurde eine so genannte Wasserkunst eingerichtet. Diese Wasserkunst hat dann die Förderung über einen dafür angelegten Förderschacht übernommen. Der Tagesbruch-Schacht befindet sich etwa 20 Meter westlich des Kunstschachtes. Der Tagesbruch findet sich in einer ehemaligen Pinge, die oberflächlich mehrere Meter hoch zugeschüttet worden ist. Mit den Jahren hat sich der Abraum gesetzt, und der alte Schacht ist an der Oberfläche wieder zu Tage gekommen. Durch die warme Luft, die sich im Berg befindet, konnte es trotz Frostwetters zu diesem Einbrechen im Garten kommen.

Das Bergamt will sich nun mit einem weiteren Sachverständigen beraten und ein Konzept für die Schließung des Tagesbruchs erarbeiten. Man wird davon ausgehen können, dass der Gosenbacher Bruch mit Beton verfüllt wird. Haus- und Grundstücksbesitzer Rolf Grümbel sah sich die ganze Aktion gestern gelassen an. »Wenn man in einem Bergmannsdorf lebt, muss man mit so etwas immer rechnen«.
Quelle: Siegener Zeitung   1.03.2005

Begriff  Hammer gegen EISEN ausgewechselt   He


Stollen aus dem 16. Jahrhundert ist die Ursache

Der Tagesbruch rückt Siegen wieder in die Öffentlichkeit. Auch ein RTL-Team war gestern vor Ort. (WR-Bilder [2]: hgs)"

Der Schacht wurde noch von Hand, mit EISEN und Schlegel ausgearbeitet", erklärt der Siegerländer Bergbau-Experte Gerd Helsper. "Die Entstehungszeit könnte bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen."

Am 13. Februar entdeckte Peter Grümbel auf dem elterlichen Grundstück ein kleines Loch, beachtete es aber nicht weiter. Am Tag darauf zeigte sich, wie groß der darunter liegende Schacht ist. Mit einem sechs Meter langen Brett erreichte Grümbel nur knapp den Grund. Bei seinen Messungen fand das Bergamt Recklinghausen gestern heraus: Tiefer als acht Meter ist das Loch auf jeden Fall. In acht Metern Tiefe zweigen außerdem zwei Stollen ab.

Wie diese Abzweigungen weiter verlaufen, ist unklar. "Es gibt Raum für Spekulationen. Wir wissen noch zuwenig," sagt Peter Hogrebe vom Bergamt Recklinghausen. "Acht Meter Tiefe sind nicht unbedingt gefährlich, wenn Fels darüber ist, oder die Stollen schräg in die Tiefe gehen." Man werde ein Ingenieurbüro beauftragen, ein Konzept für den Umgang mit diesem Tagesbruch zu entwickeln.

Quelle: Westfälische Rundschau 1.03.2005   


Mit einer "Dahlbusch-Bombe" ließen sich die Bergbau-Experten in Gosenbach abseilen. (WR-Bild: Hg.Siemon)

Siegen-Gosenbach. (hgs) Schon in aller Frühe hatte Peter Grümbel gestern Morgen den Schachtkopf auf der eigener Wiese freigebaggert. Der Grund: Drei Sachverständige wollten sich "vor Ort" einen Eindruck vom Tagesbruch auf dem Gelände machen.

 

Mit einer "Dahlbusch-Bombe", mit der früher viele verschüttete Kumpel aus der Tiefe geborgen wurden, ließen sich Ingo Milas vom Bergamt Recklinghausen sowie Jens-Peter Laux und Thobias Friedrich, Sachverständige der Deutschen-Montan-Technologie aus Essen, in die Tiefe fahren. Schon vor 14 Tagen hatten die Experten den Schacht mit einer Video-Kamera "besichtigt": "Hierbei kann es zu optischen Täuschungen kommen - vor allem wollten wir die zwei Querstollen inspizieren."

So ließ sich das Trio in drei Einzelfahrten auf die Sohle in etwa sieben Meter Tiefe abseilen. "Wir standen auf einem Versatzkegel alten Abraums, der im Laufe der rund 200 Jahre zusammengesackt ist. Unten entdeckten die Bergbau-Ingenieure zwei Querstollen mit einer Länge von 15 bis 20 Metern - die Gänge und der Schacht müssen nun verfüllt werden. Rund 80 Kubikmeter Beton-ähnliches Material wird dann in die ehemalige Erzgrube gepumpt. "Wir müssen diese Maßnahme allerdings öffentlich ausschreiben", so Milas im WR-Gespräch. Frühestens Anfang April könne man mit diesen Arbeiten beginnen, meint der Fachmann. Auch die Wiese der Familie Grübel wird dann neu angepflanzt.

1942 wurde "Storch & Schöneberg" als letzte Grube in Gosenbach geschlossen. Jetzt forscht die Bezirksregierung nach Rechtsnachfolgern, die die Kosten tragen müssen. "Wenn man hier wohnt, muss man mit so etwas rechnen, immerhin ist Gosenbach seit 2 000 Jahren ein Bergbaudorf", sieht Rolf Grümbel die Geschehnisse auf seiner Wiese recht locker.

Quelle: Westfälische Rundschau    15.03.2005   


Quelle: Siegener Zeitung  16.3.2005


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